Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, vor einem Weltwunder zu stehen, das man schon 1.000 Mal auf Fotos gesehen hat und dann festzustellen, dass die Realität alle Erwartungen übertrifft. Die Chinesische Mauer mit eigenen Augen zu sehen und selbst auf ihr zu laufen, ist definitiv überwältigend und ein riesiger Bucket-List-Moment.
Bei unserer Reiseplanung nach Peking stand also schnell fest, dass wir einen Tagesausflug zur Chinesischen Mauer machen möchten. Da dieses Weltwunder aber jährlich von etwa 10 Millionen (!) Menschen besucht wird und wir ein möglichst authentisches und menschenleeres Erlebnis haben wollten, haben wir vor unserer Reise sehr lange recherchiert. In Jinshanling haben wir schließlich genau das gefunden, wonach wir gesucht haben.
Während viele Besucher die bekannteren Abschnitte in der Nähe zu Peking ansteuern (Badaling oder Mutianyu) und diese daher auch extrem voll sein können, ist der Teil bei Jinshanling ein Geheimtipp für alle, die es etwas ruhiger und authentischer mögen.
Warum sich die weitere Anreise von Peking aus lohnt, wie ihr einen Tagestrip nach Jinshanling plant, worauf ihr achten solltet und ob dieser Mauerabschnitt auch für (Klein-)Kinder geeignet ist, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Die Chinesische Mauer erleben
Die Chinesische Mauer ist eines der beeindruckendsten Weltwunder unserer Zeit, das man meiner Meinung nach einmal im Leben mit eigenen Augen gesehen haben muss.
Ihre Geschichte reicht weit über 2.500 Jahre zurück bis in die Zhou-Dynastie. Fast jede chinesische Dynastie baute anschließend an der Mauer weiter, um das Reich vor Invasionen zu schützen.
Ein paar Fakten zur Chinesischen Mauer:
- Die gesamte Mauer erstreckt sich über 21.000 Kilometer (!) und zieht sich durch 15 verschiedene Provinzen in Nordchina.
- Die Mauer ist kein durchgehendes Bauwerk, sondern ein komplexes System aus Mauern, Festungen und natürlichen Barrieren wie Bergen und Flüssen.
- Es ist das längste Bauwerk der Welt und offiziell die längste von Menschenhand geschaffene Struktur der Erde und seit 1987 auch UNESCO-Welterbe.
- Die Mauer ist (wie viele irrtümlich glauben) tatsächlich nicht aus dem Weltall zu sehen. Das ist nur ein Mythos.



Anreise nach Jinshanling
Der Abschnitt der Großen Mauer bei Jinshanling wurde erstmals 1382 zur Zeit der Ming-Dynastie erbaut und später von Qi Jiguang, einem Nationalhelden, erweitert und fertiggestellt. Der Jinshanling-Abschnitt der Chinesischen Mauer befindet sich im Kreis Luanping in der Stadt Chengde in der Provinz Hebei und ist etwa 130 Kilometer von Peking entfernt. Die Fahrt dorthin dauert je nach Verkehr 2,5 bis 3 Stunden.
Der 10,5 Kilometer lange Abschnitt umfasst 5 Pässe unterschiedlicher Größe, verfügt über 67 Wachtürme, 3 Leuchtfeuertürme und einige steile Steintreppen. Tatsächlich hat der Abschnitt bei Jinshanling den Ruf als „der beste Abschnitt der gesamten Chinesischen Mauer“.
Im Gegensatz zu den beliebteren Abschnitten Badaling und Mutianyu ist die Anreise zum Abschnitt Jinshanling etwas schwieriger, da dieser weiter von Peking entfernt liegt.
Hier sind 3 Optionen, wie ihr den Trip nach Jinshanling am einfachsten organisieren könnt:
1 | Ein privater Fahrer
Wenn ihr unabhängig von Gruppentouren und möglichst flexibel sein möchtet, dann wäre ein privat gebuchter Fahrer / Transfer die beste Wahl. Dabei werdet ihr am Hotel abgeholt, nach Jinshanling gebracht und könnt mit eurem Fahrer auch flexibel eine Zeit für die Rückfahrt vereinbaren.
Ein privater Fahrer war auch für uns die entspannteste Wahl, da wir mit Kind unterwegs waren. So hatten wir die Sicherheit, dass ein Kindersitz im Auto vorhanden war und wir flexibel mit der An- und Abreise sein konnten.
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2 | Eine gebuchte gruppentour
Ebenfalls recht einfach ist der Tagesausflug mit einer gebuchten Gruppentour. Das ist meistens auch die kostengünstigere Option zu einem privaten Fahrer. Bei so einer Tour werdet ihr ebenfalls abgeholt und bis zur Mauer gebracht, jedoch zu festen Zeiten und mit mehreren Reisenden.
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3 | Mit öffentlichen verkehrsmitteln
Tatsächlich besteht auch die Möglichkeit, mit dem Bus nach Jinshanling zu fahren. Ein Reisebus für Touristen fährt morgens um 8 Uhr vom Busbahnhof Dongzhimen ab und ist gegen 16 Uhr zurück. Die Fahrtzeit beträgt ebenfalls 2,5 bis 3 Stunden und die Kosten sollen bei 50 RMB (ca. 6 Euro) liegen.
Eine weitere Möglichkeit ist die Anreise mit dem Zug. Von den Bahnhöfen Beijing North, Qinghe und Changping North fahren Züge bis zur Gubeikou Railway Station. Von dort aus müsst ihr ein Taxi zum Mauerabschnitt Jinshanling nehmen.

Wandern auf der Chinesischen Mauer
Der Abschnitt der Chinesischen Mauer bei Jinshanling gehört zu den schönsten Wanderstrecken der gesamten Mauer und ist deshalb besonders bei Wanderern und Fotografen beliebt. Die Wanderungen sind vom Schwierigkeitsgrad her absolut machbar, solange man eine gewisse Grundkondition mitbringt. Wir fanden es selbst mit Kleinkind gut zu bewältigen, auch wenn man an einigen Stellen natürlich etwas mehr aufpassen muss.
Je nachdem, wie viel Zeit ihr habt und wie fit ihr euch fühlt, könnt ihr zwischen verschiedenen Routen wählen. Die meisten Besucher starten am Haupteingang und laufen bis zum Osttor, um dort die Mauer wieder zu verlassen.
Um auf die Mauer zu kommen, kann man entweder zu Fuß hochlaufen oder aber die Seilbahn nehmen. Wenn ihr lieber den westlichen Teil der Mauer erkunden wollt, könnt ihr auch am Haupteingang starten und euch einfach in die entgegengesetzte Richtung halten. Je nach Route dauert eine Wanderung etwa 2 bis 3 Stunden.




Wandern in Jinshanling: 3 Routen im Überblick
1 | Shalingkou Route: Vom Ticket-Center beginnt die Wanderung hoch zum Shalingkou Tower. Der Weg dauert etwa 20 Minuten und ist recht einfach, also ohne eine große Steigung oder Stufen. Wenn ihr den Tower erreicht habt, könnt ihr über die Mauer bis zum East-Five-Window Tower wandern. Während der Wanderung kommt ihr an 16 Aussichtstürmen vorbei. Die gesamte Strecke ist etwa 2,5 Kilometer lang.
2 | Seilbahn zum East-Five-Window Tower: Wenn ihr euch den Aufstieg zur Mauer erleichtern möchtet, könnt ihr die Seilbahn nehmen. Diese bringt euch bis zur Mauer hinauf. Von dort aus lauft ihr am Xiaojinshan Tower vorbei, bis ihr den East-Five-Window Tower erreicht.
3 | Brick Crenel Route: Diese Wanderung startet am Brick Crenel Tower und das Ziel ist hier ebenfalls der East-Five-Window Tower. Diese Route ist etwa 3 Kilometer lang und ihr kommt währenddessen an 22 Aussichtstürmen vorbei.
Travelogue-Tipp: Fotografiert euch die Karte des Mauerabschnitts mit den Türmen vor Ort ab. So wisst ihr auch, welcher der Türme der East-Five-Window Tower ist und in welche Richtung ihr gehen müsst.



Chinesische Mauer mit (Klein-)Kindern
Zum Zeitpunkt unserer Chinareise war unser Sohn 2,5 Jahre alt. Da wir unbedingt die Chinesische Mauer sehen wollten, haben wir unseren Ausflug auf Kindertauglichkeit geprüft. Es gibt durchaus Mauerabschnitte, die sich mit (Klein-)Kind wesentlich einfacher besuchen lassen, beispielsweise Badaling oder Mutianyu. Dort ist nicht nur die Entfernung zu Peking kürzer, sondern auch die Infrastruktur vor Ort touristischer ausgebaut. In Mutianyu gibt es sogar eine Rodelbahn, die für Kinder bestimmt auch ein Erlebnis ist.
Wir hatten jedoch tatsächlich mehr Bedenken wegen der Menschenmassen an den anderen, beliebteren Mauerabschnitten als wegen der logistischen Herausforderungen. Anfangs war ich aber trotzdem etwas unsicher, ob Jinshanling die beste Wahl ist. Online hatte ich nämlich überwiegend gelesen, dass dieser Mauerabschnitt teilweise noch wilder ist und die Stufen sehr steil sein sollen und somit für Kinder eher nicht geeignet. Wir haben es trotzdem gewagt und es nicht bereut.
Warum Jinshanling trotzdem die richtige Wahl war
Der größte Vorteil dieses Abschnitts ist die Ruhe. Während man sich in Badaling oft durch die Mengen schieben muss, hatten wir in Jinshanling weite Teile der Mauer fast für uns allein. Das gab unserem Kind die Freiheit, in seinem eigenen Tempo die flacheren Stücke zu erkunden, ohne dass wir ständig Angst vor dem Gedränge haben mussten. Außerdem konnten wir ihn so auch allein die Stufen rauf- und runterklettern lassen.
Travelogue-Tipps für den Besuch mit (Klein-)Kind
- Kraxe oder Trage einpacken: Wenn euer Kind noch in die Kraxe oder Trage geht, dann nehmt sie mit.
- Seilbahn nutzen: Wir haben die Seilbahn für den Auf- und Abstieg gewählt. Das spart wertvolle Energie für den Weg oben auf der Mauer und die Fahrt war für unseren Sohn tatsächlich auch schon ein Highlight.
- Zeitpuffer einplanen: Wir haben den Zeitplan bewusst entzerrt und uns keine feste Wanderroute vorgenommen. Unser Ziel war es, einige Meter der Mauer zu erlaufen und ein paar Türme zu besichtigen. Das haben wir aber im Tempo unseres Kindes gemacht.
- Essen und Trinken: Eltern mit Kleinkindern verlassen das Haus sowieso nie ohne Getränke und Snacks und für den Tagesausflug nach Jinshanling gilt das Gleiche. Packt lieber etwas mehr ein!
Fazit für einen Ausflug nach Jinshanling mit Kind
Rückblickend war die Entscheidung für Jinshanling genau richtig. Für unser Kind war es ein aufregender und erlebnisreicher Tag. Seine Highlights waren definitiv das Picknick in einem der Wachtürme und auch die Mauer selbst. Das Klettern über die unterschiedlich hohen Stufen war für ihn die beste Beschäftigung überhaupt. Also ja, ein Besuch der Chinesischen Mauer bei Jinshanling ist mit einem Kleinkind absolut machbar!



Travelogue-Tipps für die Chinesische Mauer bei Jinshanling
Was man unbedingt einpacken sollte
- Reisepass: Ohne Reisepass solltet ihr den langen Weg nicht antreten. Ihr werdet ihn nicht unbedingt für den Ticketkauf vor Ort brauchen, aber wir kamen während der Fahrt an einem Kontrollpunkt vorbei, wo die chinesische Polizei unsere Pässe sehen wollte.
- Proviant: Packt auf jeden Fall genug Wasser und Snacks ein. Die Auswahl an der Mauer ist begrenzt.
- Kamera & ggfs. Powerbank: Dieses Weltwunder zu sehen ist einfach unbeschreiblich, daher solltet ihr natürlich unbedingt eine Kamera (und ggfs. auch einen zweiten Akku) einpacken.
- Gute, bequeme Schuhe: Für die steilen und teils unebenen Stufen sind entsprechende Schuhe unverzichtbar.
- Je nach Wetter ist auch ein Sonnenschutz oder ein Regenschirm empfehlenswert.
Tickets
Wenn ihr einen privaten Fahrer gebucht habt oder mit dem Bus anreist, werdet ihr am Parkplatz vor dem Ticket-Center rausgelassen. Am Ticket-Center (Location) könnt ihr dann den Eintritt für die Chinesische Mauer bezahlen.
Falls ihr mit der Seilbahn zur Mauer hochfahren möchtet, dann könnt ihr am Ticket-Center optional noch einen Transfer / Shuttle buchen, der euch Richtung Seilbahn bringt.
Vom Ticket-Center bis zur Seilbahn sind es etwa 1,5 Kilometer, also 5 Minuten Fahrt mit dem Shuttle (einem Golfcart) oder 20 Minuten zu Fuß. Ihr werdet an einem kleinen Platz abgesetzt, wo es Souvenirs, Getränke und Essen zu kaufen gibt. Nutzt diese Möglichkeit, falls ihr noch etwas zu trinken braucht. Von dort aus sind es noch ein paar Gehminuten bis zur Seilbahn. (Location Seilbahn)
Tickets für die Seilbahn könnt ihr direkt an der Seilbahn kaufen.
Preise für die Tickets
- Chinesische Mauer: 65 RMB (ca. 8 €) pro Person von Mitte März bis Mitte November und 55 RMB p.P. von Mitte November bis Mitte März
- Shuttleservice: 10 RMB pro Person, einfache Fahrt
- Seilbahn: 40 RMB einfache Fahrt, 60 RMB Hin- und Rückfahrt
Alle Preise sind Stand 2025.
Beste Reisezeit für einen Besuch
Wenn ihr die Wahl habt, solltet ihr eure Reise am besten in den Monaten April und Mai oder September und Oktober planen. In diesen Monaten ist es weder richtig heiß noch total überfüllt. Wir waren Ende Oktober dort und hatten angenehme Temperaturen um die 18 Grad Celsius sowie strahlenden Sonnenschein. Außerdem ist der Herbst an der Mauer mit der umliegenden Landschaft wunderschön.
Vermeidet nach Möglichkeit die Sommermonate von Juni bis August, da es dann extrem heiß sein kann. Auch Wochenenden oder die großen Feiertage – besonders das chinesische Neujahrsfest im Februar – sind keine gute Idee, wenn ihr die Mauer nicht mit gefühlt ganz China teilen wollt.
Verpflegung vor Ort
Es gibt ein paar (wenige) lokale Restaurants und kleine Shops / Cafés, in denen man eine Kleinigkeit essen oder trinken kann. Die Auswahl ist überschaubar, aber absolut in Ordnung. Zu meiner Freude gab es in den kleinen Cafés sogar Siebträgermaschinen. Auf guten Kaffee muss man also auch an der Chinesischen Mauer nicht verzichten. :)

Lohnt sich der Besuch der Chinesischen Mauer bei Jinshanling?
Die Chinesische Mauer war noch viel spektakulärer, als ich sie mir vorgestellt hatte. Die Entscheidung für Jinshanling war absolut richtig! Ich glaube, mein Erlebnis wäre ganz anders ausgefallen, wenn es dort so überfüllt gewesen wäre wie bei einigen anderen Mauerabschnitten. Ohne die ganzen Menschenmassen konnten wir die Mauer in Ruhe erleben und auch richtig tolle Fotos machen. Wenn ihr die Gelegenheit dazu habt, kann ich euch einen Besuch dieses Abschnitts der Mauer nur wärmstens empfehlen.


M E H R Z U C H I N A
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