Mein Besuch bei den Embera Indianern in Panama

By 22. April 2018 Anna, Ausflugstipps, Destinationen, Mittelamerika, Panama, Rund um die Welt
Panama-Embera-Indianer
„Please be a traveler, not a tourist. 
Try new things, meet new people, and look beyond what’s right in front of you. 
Those are the keys to understanding this amazing world we live in.“

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Wer unsere Reisen schon länger verfolgt, der weiß, dass wir eine andere Art des Reisens als “All-Inclusive-Urlaub” bevorzugen. Dass wir Land und Leute kennen lernen möchten. Raus gehen und etwas erleben wollen. Mit Einheimischen in Kontakt kommen und so viel wie möglich von einem Land lernen wollen. Natürlich heißt das auch, dass man seine Komfortzone verlässt, dass Pläne auch schon mal (oder oft) schief gehen und man an seine Grenzen kommt. Aber genauso oft stellen wir fest, dass grade diese Erfahrungen es wert sind und wir immer sehr viel daraus mitnehmen. Sei es, dass wir später darüber lachen, was so schief gelaufen ist oder uns an die schönen Momente mit Einheimischen erinnern.

Auch in Panama wollte ich diese Erfahrungen machen und vor allen Dingen mehr über die Ureinwohner und deren Kultur erfahren. In Panama gibt es noch viele Indianerstämme und einer davon ist der Stamm der Embera. Durch ein bisschen Recherche vorab wussten wir, dass es möglich ist, dieses Ureinwohnervolk zu besuchen. Entweder mit einem Tagesausflug oder sogar über Nacht. Man muss dazu wissen, dass es von Panama Stadt aus ein paar Stunden Reisezeit in Anspruch nimmt dorthin zu kommen, weswegen man mindestens einen Tag einplanen muss. Wir entschieden uns dazu über Nacht dort zu bleiben, denn die “Tagesbesucher” bleiben oft nur 2-3 Stunden. Wir wollten aber gern das Leben der Embera kennen lernen, wenn die Tagestouristen weg sind und das “richtige” Leben beginnt.

 

The adventure begins…

Unser Guide Garceth (ebenfalls Embera) ist pünktlich morgens um 6 Uhr an unserem Hotel in Panama City, der Weg mitten in den Dschungel ist weit. Wir fahren etwa 3 Stunden Richtung Norden zum Chagres Nationalpark. Unterwegs kommen wir am Panama Kanal vorbei und fahren durch immer dichter werdende Wälder. Je näher wir uns dem Chagres Nationalpark nähern, desto grüner und verlassener wird es. Während der Fahrt erzählt unser Guide schon viel über das Land und auch das Leben der Embera. Mitten im Gespräch bremst er auf einmal den Wagen und zeigt aufgeregt nach vorne auf die Straße: in dem Moment läuft ein Panther (!) über die Straße! Unser Guide freut sich über diese Sichtung deutlich mehr als wir, weil er versteht, was für ein Glück wir haben (seinen letzten Panther hat er vor 7 Jahren gesehen).
Am Eingang des Chagres Nationalpark heißt es erst einmal umsteigen, denn von hier geht es nur noch mit einem 4×4 Geländewagen weiter – die Straßen sind jetzt nur noch mit Schlaglöchern versehene Matschwege. Nach weiteren 1,5 Stunden erreichen wir endlich den Chagres Fluss, was aber nicht heißt, dass wir am Ziel sind. Wieder heißt es umsteigen und zwar ins Boot. Am Ufer des Flusses werden wir bereits von ein paar Embera erwartet, die uns das letzte Stück zum Dorf bringen. Nach weiteren 30 Minuten entdecken wir die typischen Embera-Hütten am Ufer – wir sind angekommen!

 

Als wir die Stufen zum Dorf hochlaufen, werden wir bereits von ein paar Einwohnern des Stammes erwartet. Was zuerst auffällt: die Embera sind nur spärlich bekleidet, mehr als eine Schürze tragen sie nicht – auch die Frauen oft nicht. Was für uns erst einmal befremdlich wirkt, ist für die Indianer ganz normal. Außerdem fällt sofort auf, dass die Embera mit schwarzer Farbe angemalt sind – eine Tradition, die den Zusammenhalt stärken und (angeblich) vor Sonneneinstrahlung und Moskitostichen schützen soll.

Unser Guide zeigt uns unseren Aufenthalts- und Schlafplatz für die kommenden 2 Tage: es ist das Haupthaus, wo auch für Gäste gekocht wird. Ein Schlafzimmer oder Zelt sucht man jedoch vergeblich, wir werden die kommende Nacht auf einer Matratze auf dem Boden der Hütte verbringen. Das Haupthaus hat übrigens keine Wände und keine Tür, was sich nachts noch als sehr gewöhnungsbedürftig herausstellen sollte…
Nachdem wir uns ein wenig eingerichtet haben, begeben wir uns in die Gemeinschaftshütte, wo auch ein paar Souvenirstände aufgebaut sind – die Touristen sind für die Embera zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. Unser Guide zeigt uns das Dorf, wer wo lebt und wo die einzige Schule steht (von montags bis freitags kommt ein Lehrer aus der Stadt). Dabei werden wir immer von ein paar Kindern begleitet, die sehr neugierig und aufgeschlossen uns gegenüber sind.

 

A night in the jungle 

Da es in Panama bereits gegen 18 Uhr dunkel wird, gibt es für uns gegen 17 Uhr Abendessen: Reis mit Hühnchen. Anschließend richten wir mit unserem Guide Garceth unser Nachtlager – bestehend aus einer Matratze und einem Moskitonetz – her. Gegen 18:30 Uhr liegen wir dann auf unserer Matratze und wissen nicht so recht, was wir noch machen sollten. Das ist nunmal nicht unsere Zeit, zu der wir normalerweise schlafen gehen, aber alle Einwohner des Dorfes sind ebenfalls in ihren Hütten und es ist stockdunkel. Wir versuchen also uns dem Rhythmus dort anzupassen und zu schlafen. Etwa eine Stunde später werde ich wieder wach, weil unser Guide sich mit meiner Freundin unterhält. Es stellt sich heraus, dass “etwas” oben in unserer Hütte war. Ich frage, was er gesehen haben will und er meint, dass es weder ein Hund noch eine Katze war. Es müsse etwas Größeres gewesen sein. Als ich das von ihm höre, ist für mich an Schlaf gar nicht mehr zu denken. Man muss dazu wissen, dass der einzige “Schutz” ein dünnes Moskitonetz ist. Also praktisch nichts. Nach etwa einer weiteren Stunde merke ich Vibrationen auf dem Holzboden der Hütte. Ich setze mich auf und sehe oben am Fuße der Treppe etwas Großes stehen: es sieht aus wie eine Katze, nur eben viel größer. Es läuft mir echt eiskalt den Rücken runter und ich wäre am liebsten in eine der anderen Hütten umgezogen, die zumindest Wände haben. Als ich hektisch meine Freundin wecke, flüchtet die “Katze” die Treppe runter. Ich gucke auf mein Handy und stelle mit Erschrecken fest, dass es grade einmal 21 Uhr ist – das wird eine lange Nacht! Irgendwann fallen mir vor Müdigkeit doch die Augen zu und nach ein paar Unterbrechungen werde ich gegen 5 Uhr durch die ersten Geräusche von den Dorfbewohnern wach – die Nacht ist vorbei!

Wir haben übrigens später lange gerätselt und sind zum Schluss gekommen, dass der nächtliche Besuch von einer Langschwanzkatze oder einem Ozelot stammen musste. Auch unser Guide meinte, dass er so einen Besuch noch nie dort hatte. Danke, darauf hätten wir auch verzichten können. ;)

 

Am nächsten Morgen haben wir noch eine kleine Wanderung mit dem Medizinmann des Stammes gemacht. Er hat uns viel über die Bedeutung der Pflanze und deren Wirkung erzählt und wir konnten noch einmal die wunderschöne Natur genießen. Gegen Mittag hieß es dann Abschied nehmen. Wir machten noch ein paar Erinnerungsfotos mit einer Sofortbildkamera, schenkten diese den Embera (worüber sie sich sehr gefreut haben) und packten unser Gepäck ins Boot. Allein der Weg über den Fluss ist schon ein Erlebnis für sich: die Landschaft ist wunderschön und mit ein bisschen Glück sieht man noch das ein oder andere Faultier oder andere Wildtiere.

 

What to pack

So ein Trip mitten in den Dschungel Panamas will gut gepackt sein! Das gilt nicht nur für den Fall, dass ihr euch entscheidet dort zu übernachten, sondern auch für einen Tagesbesuch. Daher hier meine Tipps für beide Fälle.
Wenn man über Nacht bleiben will: vorab muss man wissen, dass man sein Hauptgepäck (Koffer, Backpacking-Rucksack) nicht mitnehmen kann. Packt daher einen kleinen Rucksack (Tagesrucksack) oder einen Weekender ein, den ihr mitnehmen könnt. Darin sollte unbedingt folgendes enthalten sein:

✓ Taschenlampe
✓ wärmere Kleidung zum Schlafen
Fotoausrüstung (+ eine aufgeladene Powerbank)
✓ Handtuch, Waschzeug, etc.
✓ Badesachen
✓ Moskitoabwehrmittel
✓ etwas Bargeld
✓ wasserdichte Tasche/ Hülle fürs Handy und die wichtigsten Unterlagen

Wenn man den Trip als Tagesausflug plant, gilt auch hier: lieber nur einen kleinen Rucksack mitnehmen, das reicht für alles, was ihr braucht. Was also in eure Tasche sollte: Badesachen, rutschfeste Schuhe, die nass werden dürfen, eure Fotoausrüstung und etwas Bargeld in Dollar. Die Liste kann natürlich beliebig erweitert oder gekürzt werden, das sind lediglich meine Tipps.

 

Good to know

Es ist wichtig zu wissen, dass die Embera kaum Englisch sprechen. Ein paar Einwohner verstehen zwar ein paar Wörter, noch besser aber wäre es, wenn man Spanisch kann. Da man aber immer von einem Guide begleitet wird – man kommt nur mit einer gebuchten Tour dorthin (z.B. hier) – und dieser sich in der Regel entweder auf Spanisch oder gar in der Embera-Sprache unterhalten kann, ist die Verständigung zur Not gesichert. Da wir selber nur Englisch sprechen, haben wir uns sehr oft mit Händen und Füßen verständigt.

 

Der Besuch beim Embera-Stamm in Panama war für mich definitiv eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte – ok auf unseren nächtlichen Besuch hätte ich vielleicht doch verzichten können. Aber so oder so hat dieses Erlebnis mir wieder einmal gezeigt, dass es sich immer lohnt aus seiner Komfortzone heraus zu kommen und offen für andere Kulturen und Lebensweisen zu sein.

Könntet ihr euch so einen Besuch auch vorstellen?

 

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2 Comments

  • Reply 3 Tage in Panama City | THE TRAVELOGUE 30. April 2018 at 11:53

    […] eine 2-Tagestour mit Übernachtung im Dorf entschieden. Einen ausführlichen Blogpost dazu gibt es hier. Für mich war der Besuch bei dem Embera-Indianerstamm das wohl nachhaltigste Erlebnis meiner Reise […]

  • Reply Panama - diese Orte sollte man gesehen haben | THE TRAVELOGUE 7. Mai 2018 at 9:15

    […] der Nationalpark auch jede Menge Ausflüge und Aktivitäten. Eins der Highlights dort ist wohl der Besuch eines Indianer-Dorfes am Chagres Fluss. Der Stamm der Embera ist dort im Nationalpark heimisch, wo sie auch heute noch […]

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